Vor quasi genau einem Jahr, haben wir beschlossen, dass wir nicht mehr zu zweit, sondern als Familie in die Zukunft schreiten wollen. Man liest viel, man hört viel bis es zur Geburt kommt, doch vieles kommt teils wirklich anders, als man es sich vorstellt, bzw. einige Sachen werden von Müttern verschwiegen… Mehrfach habe ich inzwischen zu hören bekommen „DAS habe ich bewusst NICHT erzählt“.

Ich möchte nicht schweigen, ich möchte von meinen persönlichen Erfahrungen berichten.
Dieser Bericht spiegelt also nur meine Erfahrung wieder, er bedeutet nicht, dass es generell so ist.

Schwangerschaft:
Meine Schwangerschaft ist ja im großen und ganzen gut verlaufen. Die Gewichtszunahme ist ja nicht wegzudenken, allerdings ist nicht nur meine Kleiderauswahl massivst geschrumpft, sondern ich musste leider auch meinen Ehering ablegen, weil sich zudem auch noch Wassereinlagerungen eingestellt hatten, der passt im Übrigen leider immer noch nach 3 Wochen immer noch nicht, aber das wird schon besser.
Während der Schwangerschaft habe ich auch, bis auf eine Ausnahme, auf Schmerzmittel verzichtet. Zum Glück hatten sich die Kopfschmerzen im Rahmen gehalten, aber bspw. meine Freundin hat seit der Schwangerschaft dauerhaft Kopfschmerzen. Zwar heißt es, das manche Präparate in der Schwangerschaft verträglich seien, aber es gibt immer mindestens eine Quelle, die genau das Gegenteilige behauptet. Wie soll man da ein ruhiges Gewissen haben? Richtig, man hat keins, oder nur dann wenn es vor Schmerzen nicht mehr geht.

Geburt:
Ja, die guten Wehen. Ab und an hört man den Vergleich zu Menstruationsbeschwerden, der bei den Vorwehen auch noch ganz gut passt und erträglich ist, jedoch war es bei mir so, dass ab Blasensprung der Wehenschmerz eine ganz andere Kategorie angenommen hat.
Wie ich auch schon im Geburtsbericht geschrieben habe, ist einem während der Geburt irgendwann alles egal. Wo man ist, wie man aussieht, wie man schreit/grunzt, oder sonst wie artikuliert. Es ist eine Naturgewalt, die einen wie eine Welle überrollt, ob man will, oder nicht.

Dammschnitt:
Meine Mutter spricht nach 30 Jahren immer noch traumatisiert davon, wie es geklungen hat, als sie geschnitten wurde. Zu mir ist das Geräusch nicht durchgeklungen, jedoch hat sich der Schmerz des Schnittes so angefühlt, wie ein brennendes Schwert, dass sich in das Fleisch schneidet und das habe ich noch während der Presswehe, welche noch ein Kaliber härter, aber erträglicher sind, durchgespürt.

Kaiserschnitt:
Ich hatte das Glück und bin mit meinem Kleinen knapp an einem Kaiserschnitt vorbeikommen, jedoch war für mich von Anfang an klar, dass ich versuchen möchte, mein Kind auf natürlichem Wege auf die Welt zu bringen, auch wenn ich wirklich mehr als nur Respekt davor hatte.
Es ist und bleibt eine OP des Bauchraumes und das konnte ich auch noch Tage (sic!) später an den Frauen sehen, die schmerzgebeugt, mit der Hand über dem Schambein haltend, den Gang entlang schlichen, wenn man sie mal gesehen hat…
Freiwillig würde ich mich nicht dazu entscheiden, es sei denn, es liegt natürlich eine medizinische Indikation vor. Auch wenn es natürlich attraktiv ist, wenn man weiß, wann der Nachwuchs sich auf den Weg macht.

Dammnaht:
Wo der Damm geschnitten wird, da muss auch genäht werden, zunächst wird rundherum eine Betäubungsspritze gesetzt und dann genäht. Das Sitzen kann in den ersten Tage wirklich unangenehm werden, genauso wie die Klogänge, oder auch Husten, Lachen oder auch Niesen.
Bei mir war das gröbste nach gut 2 Tage vorbei. Leider haben sich bei mir die selbstsauflösenden
Fäden nicht gelöst und werden demnächst manuell von der Frauenärztin gezogen, weil die Hebamme es nicht geschafft hatte, da sich darüber eine Hautschicht gebildet hat… Ich Glückspilz…

Wochenfluss:
10 Monate wurde man vom Besuch der Menstruation verschont, dies wird innerhalb des Wochenbettes nachgeholt. Es gibt schöneres, aber die Wunde innerhalb des Körpers muss nunmal abheilen. Die Blutung, die auch anders riecht, wie eine Menstruation, ist die erste Tage sehr sehr stark, ich habe immer stark monatlich geblutet, aber das ist wirklich kein Vergleich. Ab und an sammelt sich auch das Blut, wenn man bspw. etwas liegt, dann entschlüpft ab und an ein Blutkoagel, das sich wirklich merkwürdig anfühlt. Auch drei Wochen danach blute ich immer noch, je nach Bewegung am Tag, mal mehr, mal weniger, inzwischen eher weniger. 🙂

Wochenbett:
Während der Schwangerschaft habe ich von den Hormonen recht wenig mitbekommen und ich möchte behaupten, dass ich ausgeglichen war. Nachdem Geburt war ich dermaßen nah am Wasser gebaut, dass das mich selbst zum Teil erschrocken hat. Meist waren es positive Anlässe, wie schöne Glückwunschkarten, oder die Geburtsanzeige der Schwiegereltern, aber ich muss auch gestehen, dass ich auch zum Teil aus Verzweiflung geweint habe.

Stillen:
Hier hat mich die größte Überraschung ereilt. Man stellt sich das unheimlich harmonisch vor.
Die seelige Mutter mit dem Kinde im Arm, das glücklich an der Brust nuckelt.
Nun zu mir.
Szene Krankenhaus, ich liege mit meinem Würmchen auf dem Bett. Er versucht verzweifelt, etwas aus meiner Brust zu bekommen, aber der Milcheinschuss folgt erst nach ca. 2 Tagen. Es kommt zwar Flüssigkeit heraus, die Vormilch, aber die muss erst erarbeitet werden. Meine Brustwarzen brennen inzwischen fürchterlich, weil sie es nicht gewöhnt sind, dass dort jemand intensiv drauf herumkaut. Parallel zu den schmerzenden Brustwarzen, stellten sich im Krankenhaus auch noch die Schmerzen der sich zurückbildenden Gebärmutter hinzu, die durch das Stillen aktiviert wird.
Wie ich schon im Geburtsbericht geschrieben habe, ich wusste nicht, was schmerzhafter war und wegen welchen Schmerz ich nun weinen sollte.
Szene Zuhause: ich wache auf und denke, ich habe über Nacht eine Schönheits-OP hinter mich gebracht, denn meine Brüste sind dermaßen geschwollen und unglaublich schmerzhaft. Dies ist lediglich der Beginn des Milcheinschusses, der wiederum ein paar Tage andauert. Leider gehöre ich wohl zu denen, die unheimlich viel Milch produzieren und ohne Ausstreichen der Brust wäre eben genau diese explodiert. Im nächsten Leben werde ich Amme.
Die Inkontinenz-Unterlage, die im Bett im Falle eines Blasensprunges gelegen hat, ist nun nach oben gewandert und hilft, die nächtlichen Milchmassen aufzufangen.
Ich muss fast jede Nacht durchnässt den BH und das T-Shirt trotz Still-Einlagen austauschen, wenn das nicht der Fall ist, wache ich zum stillen mit schmerzenden Brüsten auf.
Inzwischen hat sich das schon etwas gebessert, aber damit hatte ich nicht gerechnet und das hatte mich auf böse überrascht.
Abends betreibt der Kleine „Cluster-Feeding“, was bedeutet, dass er Milch für die Nacht hamstert, was für mich stündliches/dreiviertelstündlich (sic!) Stillen bis zum Schlafen gehen bedeutet.
Für mich ist stillen also nicht das non-plus-ultra…auch wenn es schön ist, mit dem Sohnemann zu kuscheln und es kaum Vorbereitung bedarf, im Gegensatz zur Flaschennahrung. Aber es zehrt unheimlich an einem…

Dies ist so grob eine kleine Zusammenfassung der Dinge, die gerne Verschwiegen werden, die aber eigentlich selbstverständlich und mit dem neuen Leben eng zusammenhängen.

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