Ich habe ja schon einmal einen Artikel bzgl. des Verhaltens beim Arzt, bzw. beim Arztbesuch geschrieben, aber da ich in letzter Zeit viel beim Tierarzt saß, konnte ich dort auch einige Charakterstudien betreiben, hier ein Beispiel des Freitag erlebten.

Ich sitze kurz vor 10h zeitig bei den Tierärztinnen, die ab 9h Notfall-/ bzw. Terminsprechstunde und ab 10h normale offene Sprechstunde haben. Die Praxis ist recht klein, sie besteht quasi aus dem Vorraum und den beiden Behandlungszimmern. Es gibt keine Sprechstundenhilfe o.ä.. Ich bin alleine (mit der Katze) und warte, bis einer der Ärztinnen für mich Zeit findet, vorzugsweise auf diejenige, die die Tiere bisher betreut hat und deren Probleme kennt. Ich stelle den Korb samt Katze neben mir auf den Stuhl, damit sie erstens mich sieht und zweitens nicht von plötzlich einfallenden Hundemeuten am Boden stehend überrascht wird. Wenn es voll wird nehme ich die Katze selbstverständlich mit dem Korb auf den Schoß, soweit das noch geht mit dem Bauch.

Kurz nach 10h. Es wackelt unsicheren Fußes Oma 1 hinzu. Sie hat einen wirklich alten dicken Dackel, der scheinbar eher getragen wird, als das er läuft, weiter trägt sich noch irgendwie ihr Handtäschchen. Man grüßt sich, man setzt sich hin. Dackel Waldi (ich nenne ihn jetzt mal einfach so, weil ich den Namen nicht mitbekommen habe) wird auf den Schoß gesetzt, dort wird er ein wenig gestreichelt, aber man ist „still“, sprich, man labert dem Hund nicht das Ohr ab und auch nicht den anderen Wartenden. Immerhin. Der Hund zittert wie Espenlaub.

Noch immer wird von einer der Tierärztinnen ein Notfall versorgt, die andere Tierärztin, die meine Tiere versorgt, ist noch nicht anwesend. Oma samt Waldi und ich warten brav. Es sind ca. 15 Minuten vergangen.

Es stöckelt Oma 2 in den Vorraum der Praxis. Man hat sich aufgebrezelt für den Arztbesuch, mir scheinen eher schlecht als recht pedikürte Fußnägel entgegen, die aber ganz fein glitzern, weil ein wilder Lack draufgeknallt wurde. Die Frisur sitzt. Sie führt einen dunklen Westhighland Terrier namens Poldi mit sich bzw. eher hinter sich her. Den Namen habe ich mir nicht ausgedacht und ich konnte ihn mir problemlos merken, weil er im laufe der Wartezeit immer wieder gerufen wurde. „Poldi setz dich!“ „Poldi nein!“ „Platz Poldi!“ „Poldi Sitz!“. Poldi macht natürlich alles andere, was er soll. Schließendlich, als nun Oma 1 und ich zwangsweise mitbekommen haben, dass sämtliche Befehlsanweisungen von Frauchen weniger erfolgreich befolgt werden, wird Poldi rangezogen und auf den Schoß buxiert. „So Poldi, komm ma´ rauf bei die Omma!“ oder so ähnlich meine ich gehört zu haben…

Inzwischen, während Poldi noch gemaßregelt wird, trifft auch die zweite (meine) Tierärztin ein und der Notfallpatient, irgend ein Nager o.ä. verlässt die Praxis, es ist ca. 10:20 Uhr.

Die Ärztin, welche den Notfall versorgt hat, tritt in den Vorraum und ruft den Nächsten auf, also mich. Da ich nun zu der anderen Tierärztin möchte, habe ich Oma 1 samt Waldi den Vortritt lassen wollen, soweit diese zu dieser Tierärztin möchte. Die meint nur „Ich möchte zur andern Tierärztin“. Ich erwidere „Ich auch, weil ich die Daten der Zuckerkatze besprechen möchte“. Oma 2 entschwindet zur anderen Tierärztin und bevor ich das mit Oma 1 abklären konnte, war sie schon ohne ein Danke zu sagen, zu „meiner“ Tierärztin ins Zimmer reingerannt.

Ich lasse mich nie wieder von diesen unförmigen Seniorenschuhen täuschen, ich glaube, da sind heimlich Rollen mit Turboantrieb eingebaut. 🙂

Es ist knapp vor halb 11Uhr. Ich sitze also wieder alleine im Wartezimmer, mit der Katze, die mich zu Recht vorwurfsvoll ansieht. Aus Poldis Behandlungszimmer höre ich nur  von Oma 2 „Vom Opa bekommst du immer die Leckerchen. Jaaa. Vom Opa bekommst du immer die Leckerchen. Jahaa. Vom Opa bekommst du immer die Leckerchen. Die Leckerchen bekommst Du vom Opa.“ Die Katze und ich verdrehen synchron die Augen.

Ich höre noch irgendwas, wie sie den Hund erziehen soll: „Konsequenz“ „Da müssen sie dann dran bleiben, sonst wird das schlimmer.“ Ja, Poldi hat es faustdick hinter den Ohren.

Oma 1 kommt irgendwann doch noch aus dem Zimmer „rausgedackelt“ (im wahrsten Sinne des Wortes) samt Waldi auf dem Arm, langsamen wackligen Schrittes – ich falle nicht mehr auf dich herein, Schätzchen! – dreht sich um und drückt der Ärztin noch ein Schwätzchen auf, welche aus Höflichkeit heraus antwortet. Ich verdrehe innerlich die Augen. Ich sitze nun mit der Katze fast eine Stunde im Wartezimmer. Was mich an sich nicht stört, weil es keine Terminpraxis ist, aber diese unnötige Schwätzchen kann Oma gerne beim Frisör, beim Floristen, beim Nachbar, beim Bäcker oder sonst wo halten, aber nicht beim Arzt. Egal ob Tier oder Humanmediziner. So sehe ich das zumindest.

Was aus Poldi wurde weiss ich nicht, aber ich bin mir sicher, er hat irgendwann blutige Ohren, wenn weiter so auf ihn eingeredet wird. 😉

Unseren Katzen geht es soweit gut, jede hat momentan ihre Behandlung, jede ihre eigene (einmal Diabetes, einmal Blasenentzündung bzw. Durchfall vom Spezialfutter und zuletzt einmal Herbstgrasmilben), aber wir arbeiten dran und es ist Besserung in Sicht.

Advertisements